Immer wieder lese ich davon, dass Menschen zeitweise auf Facebook oder ganz auf Onlinekommunikation verzichten. Zwei Beispiele: Die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali schrieb heute morgen, dass sie sich für ein paar Tage bis drei Wochen aus Facebook zurück ziehe. [fb-link] Tino Kreßner, Mitgründer von Startnext und studierter Informations- und Kommunikationswissenschaftler schrieb vor ein paar Tagen:

“Ich starte ein Experiment. Ich habe alle Nachrichten Apps gelöscht und werde nicht mehr auf Spiegel & Co surfen. Für mich funktioniert die Online-First-Strategie der Nachrichten-Anbieter nicht (mehr).

In teilweise 15 Einzelnews suche ich mir meinen Informationsbedarf zu einem Thema zusammen und Puzzle mich durch News-Happen auf Basis von verschiedenen zeitlichen Wissensständen.

Weil Online jede Überschrift für sich funktionieren muss (seo, click) und mehr Einzelnews auch mehr Links generieren (Ad-impressions), wird gefühlt jeder neue Fakt zur News mit einer “vielversprechenden” Überschrift.

[…]”

[fb-link]

Weitere Beispiele ließen sich aufzählen. Ich denke jeder hat so etwas schon gelesen, manche auch bereits selbst praktiziert.

Bei mir ist das ähnlich und ich habe für mich drei wesentliche Schritte gefunden, wie ich die Nutzung von Facebook einschränken kann ohne komplett auf Facebook zu verzichten.

Drei Schritte für weniger Facebook und mehr Selbstbestimmung im Nachrichtenkomsum

  1. Keine Facebook-App auf dem Telefon
  2. Gezieltes Abonnieren über die Notifications
  3. Ausblenden des Hauptstreams

Ich lese nicht mehr auf Facebook, bzw. nicht mehr gefühlt endlos. Bei mir täglich ein paar mal Facebook im Browser auf, woraufhin ich die Notifications durchgehe und dann relativ schnell auch wieder draußen bin. Facebook auf, Facebook zu und letzteres ist definitiv der bessere Zustand.

Auf dem Telefon installiert habe ich noch den Facebook-Messenger, wobei das  wohl bald der vierte Schritt im Facebook-Rückbau werden wird. Für das, was darüber läuft, muss ich nicht mobil erreichbar sein.

Wie abonniert man gezielt über Notifications?

facebook notifications

Notifications (Benachrichtigungen) sind auf Facebook, wie wahrscheinlich alles auf der Plattform, ein Werkzeugkasten mit gefühlt 1.000 möglichen Einstellungen. Es gibt verschiedene globale Einstellungen, generelle Einstellungen für einzelne Bereiche wie FB-Seiten, FB-Gruppen oder FB-Events. Daneben lässt sich noch einmal alles individuell, also für jedes Dings auch einzeln einstellen.

Um die bestmögliche Einstellung zu erhalten, würde ich immer erst einmal jede Art von Benachrichtigung auszuschalten und dann bei jedem einzelnen Schalter 2x zu überlegen, ob man das wirklich wissen will. Es gibt einige Benachrichtigungen, die man aus gutem Grund sowieso nicht ausschalten kann, so z.B. wenn jemand unter dem eigenen Status-Update einen Kommentar hinterlässt oder man selbst in einem Foto taggt wird.

Hier noch ein paar Hinweise, wo ihr die Notifications für individuelle Seiten Gruppen oder Profile einstellen könnt. Damit das überhaupt funktioniert, müsst ihr übrigens immer erst Fan einer Seite, Mitglied einer Gruppe oder befreundet sein.

Notifications für Facebook-Pages

Wenn du mit der Maus über den Like-Button fährst, klappt ein Menü auf. Standardmäßig sind für FB-Seite keine Notifications abonniert, mit Klick auf “Notifications” gibt es die Möglichkeit alles oder individuell nach Format zu abonnieren. Man kann dort auch die Events einer Seite abonnieren, was wahrscheinlich noch recht sinnvoll ist.

Notifications von Facebook Pages

Facebook Notifications für Pages individuell

Notifications für Facebook-Gruppen

Die Einstellung für die Notification in einer Gruppe ist einfach und wenig mißverständlich. Standardmäßig bekommt ihr in Gruppen immer dann die Notifications mit der Einstellung “Highlights” eingestellt, wenn ihr an einer Veranstaltung teilnehmt oder auch nur von Freunden dazu eingeladen werdet.

Facebook Gruppen Notifications

Notifications für Profile

Von einigen wenigen Personen, habe ich tatsächlich auch die Profil-Benachrichtigungen abonniert. Ich bekomme also immer mit, wenn diese etwas postet einen Hinweis. Die Einstellung besteht hier nur aus einem An oder Aus.

Facebook Profil Notifications

Notifications per RSS abonnieren

Der mittlerweile fünfte Schritt, um die eigene Facebook-Nutzung noch mehr zu reduzieren, ist der persönliche RSS-Feed dieser Notifications. Wenn man generell und täglich seinen Feedreader aufmacht oder eine Erweiterung im Browser dafür nutzt, verpasst man immer noch nichts und zwar ohne dass man selbst Facebook überhaupt aufmachen muss. Wie gut das klappt, teste ich derzeit. Den Link dafür (im Bild rot umrandet) findest du oben links in der Extra-Seite für die Notifications.

facebook notifications rss link

Warum blende ich den Hauptstream auf der Facebook-Webseite aus?

Ich habe an mir beobachtet, dass ich immer noch oft die Facebook-Webseite aufmache, z.B. um einen Link zu posten oder eine Event-Seite zu erstellen. Es gibt für mich nach wie vor viele Gründe, warum ich mal schnell auf Facebook irgendwas “nachschauen” muss. Was dann passiert, ist von Facebook auch so gewollt, die ganze Webseite ist darauf optimiert. Ohne dass  es meine Absicht war, lese ich irgendein Posting, sehe ein Bild, ein Video oder irgendwas und schnell hat man das Gefühl nur mal fix drauf klicken zu müssen. Ihr kennt das.

In über 90% der Fälle war es dann doch nicht so wichtig, oder besser gesagt um Längen nicht so wichtig wie alles andere, was ich zu tun hatte und habe.

Zwischenfrage: Ist das jetzt blöd von mir so ehrlich zu sein, dass ich viel zu viel Zeit auf Facebook verbringe? Definitiv: Nein. Denn Facebook will genau das und verbringt viel Entwicklerzeit darin, damit genau das passiert. Wir sollen so lange wie möglich auf der Webseite bleiben, damit wir auch so viel wie möglich Inhalte und natürlich auch Werbung sehen, aber dazu gleich noch mehr.

Wie blende ich den Hauptstream auf der Facebook-Webseite aus?

Das Ausblenden erfolgt über ein ganz einfaches Verfahren, das Nachladen einer von euch bestimmten CSS-Stlyesheet-Definition. Auf jeder halbwegs modernen Webseite wird das Aussehen über CSS gestylet, d. h. es wird definiert, wie jedes einzelne Element auf einer Webseite aussehen soll und welche sonstigen Eigenschaften es haben soll. Auf diese Weise kann man auch selbst wieder eine Definition überschreiben und z.B. festlegen, dass Inhalte eines bestimmten Types gar nicht angezeigt werden.

Auf der Webseite userstyles.org findet ihr den Link zur Erweiterung für euren Browser. Das ganze gibt es für Firefox, Chrome, Safari und Opera. Wer diese Microsoft-Browser benutzt, dem rate ich sowieso gleich mal den Firefox zu installieren. 😉

Erweiterung Stylish für Chrome

Als zweiten Schritt installiert ihr euch den Style “Quiet Facebook”, indem ihr auf der Seite https://userstyles.org/styles/101805/quiet-facebook auf Installieren klickt. Wenn ihr jetzt Facebook im Browser aufmacht, sollten der Hauptstream, der Ticker rechts oben und ein paar weitere Dinge ausgeblendet sein. Das selbst posten klappt weiterhin und wenn ihr auf eine Facebook-Fanpage, auf ein Profil oder eine Gruppe geht, wird ebenfalls alles ganz normal angezeigt.

Warum will ich meinen Facebook-Aufenthalt überhaupt reduzieren?

Ich halte Facebook insgesamt für übergriffig und immer weniger zielführend. Facebook bestimmt, was wir lesen und Facebook bestimmt auch immer mehr wie wir es lesen. Es gibt ein paar gute Funktionen, diese aber rücken immer mehr hinter das Ziel der Monetarisierung unserer Aufmerksamkeit.

All der Hass und die vielen falschen Behauptungen, die über Facebook hin- und herwabern, stören Herrn Zuckerberg aus einem bestimmten Grund jetzt nicht so wirkklich: am Ende des Tages verbringen wir nur noch mehr Zeit auf Facebook und der ganze Streß, der uns hier in Deutschland dadurch blüht, ist einfach mal weit weg von Zuckerbergs Lebensrealität.

Vielleicht hat Facebook aber auch einfach keinen Plan. Wie man liest wurde jetzt ein Unternehmen mit Sitz in Berlin, mit dem Prüfen und Löschen von Inhalten beauftragt. Dass es sich dabei um ein Bertelsmann Tochterunternehmen handelt, führte schon zu Hinweisen auf den sogenannten Kobra-Effekt. Patrick Breitenback kommentierte es treffend:

“Die KPIs würden mich hier mal sehr interessieren. Also wonach wird Bertelsmann-Tochter Arvato für das Löschen von Hasskommentaren bezahlt? Anzahl der Kommentare? Oder Rückgang der Beschwerden? Jedenfalls ein interessantes neues autopoetisches Geschäftsmodell. Je mehr Hasskommentare, desto mehr Nachfrage, desto mehr Gewinn für die Company?

Erinnert mich an Frank Widmayers Paradebeispiel aus Indien mit dem Schlangenkopfgeld. Indien hatte mal ein Schlangenproblem. Also gab es pro Schlange ein Kopfgeld. Und plötzlich gab es ganz viele Schlangenzüchter.”

[fb-link]

Welchen Zustand man hier gerade versucht zu “managen”, betont das Plädoyer “Für mehr Grau!” von Christine Auerbach recht gut. Klicktipp. Darüber hinaus ist Facebook insgesamt nur noch ein Monster und ob es nun der Einzelne in diesem Unternehmen will oder nicht, es wird immer weiter daran geschraubt, noch mehr Einfluss auf unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen und auch wird da vorgesorgt, dass es selbst immer unabhängiger von allem anderen wird. Eine gewollte Gegenentwicklung kann ich nicht erkennen.

Und ja, andere Player wie Google, Apple, Twitter oder Amazon nehme ich da nicht generell aus, ist aber in der aktuelle Situation anders gewichtet und ein anderer Blogpost.

Gibt es eine Zukunft mit oder nur ohne Facebook?

Die “Hoffnung”, dass Facebook in Deutschland auch wieder an Relevanz verliert, ist wahrscheinlich so alt, wie das Facebook in Deutschland selbst. Am Anfang versuchte man , wenn ich mich richtig erinnere, immer mal wieder mit Vergleichen zu MySpace. Nur ist MySpace und gerade das Ende von MySpace angenehm leise gewesen.

Und das ist auch der Punkt. Facebook hat so eine ungesunde und vor allem laute Eigendynamik bekommen, dass alles Sinnliche in diesem Lärm längst nicht mehr hörbar ist. Es gibt unzählige Vorschläge, was helfen soll, überhaupt noch wahrgenommen zu werden und der wahrscheinlich einzige Vorschlag, der einem überhaupt noch ermöglicht eine Spur echt zu bleiben, kommt von Facebook selbst: schaltet Anzeigen. Füttert das Monster, sonst hört es euch nicht.

Wer den Artikel bis hierher gelesen hat, weiß, dass zumindest ich auch diese Werbe-Postings nicht mehr lesen werde. Vorerst. Ich selbst werde diverse Sachen umbauen, dass Facebook nur noch automatisiert befüllt wird. Die Zeit, die ich brauche oder das Geld, das ich bräuchte, um mit meinen bewusst nicht übergriffigen Inhalten auf Facebook punkten zu können, will ich lieber in eigene Webseiten investieren und auch in 10 Jahren noch etwas davon haben.

veröffentlicht am 18. January 2016

Ein Kommentar

  1. Gustav Wall schrieb am

    > Die Zeit, die ich brauche oder das Geld, das ich bräuchte, um mit meinen bewusst nicht übergriffigen Inhalten auf Facebook punkten zu können, will ich lieber in eigene Webseiten investieren und auch in 10 Jahren noch etwas davon haben.

    Sowas lese ich persönlich gern. Habe nie einen Account auf Facebook gehabt (ausser einen Dummy-Account als Pflichtübung in einer Weiterbildung) und binmit einem Motto “Google – nein Danke!” http://google-nein-danke.sprechrun.de/ unterwegs.

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